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Industrie

Das Handwerk kam schon um 1550 nach Niederstadtfeld. Damals waren es vor allem Schmiede, die hier Arbeit fanden. Zu ihren Aufgaben gehörte hauptsächlich das Beschlagen der Kühe und Pferde sowie das "Bereifen" der Holzräder.

Um die Feuerungen für die Schmiedearbeiten in Gang zu halten, musste Holzkohle gewonnen werden. Die Holzkohlegewinnung, die meistens von den Schmieden selbst betrieben wurde, hat bis heute noch ihre Spuren im Wald hinterlassen: Man kann noch sehr viele "Meilen" finden. Das sind glatte Flächen aus Stein, auf denen die Holzkohle ohne die Gefahr eines Waldbrandes gewonnen werden kann.

Um 1800 kristallisierte sich die Zahnsichel-Herstellung als ein Gewinn bringender Erwerbszweig heraus. Diese Zahnsicheln waren, wie der Name sagt, im Gegensatz zu den normalen Sicheln gezahnt, ähnlich wie eine Säge. Sie dienten früher bei der Getreideernte zum Mähen und Aufnehmen des Getreides. Das Roheisen für die Zahnsicheln wurde weit her vom Rhein mühevoll auf Karren und Kuhgespannen herbeigeschafft. Mit den Schmiedearbeiten wurde erst im Winterhalbjahr nach den Drescharbeiten begonnen, denn die Schmiede betrieben neben ihrer Arbeit im Sommerhalbjahr auch noch Landwirtschaft. Sie waren praktisch gezwungen, die Landwirtschaft weiter zu betreiben, weil einerseits die Sichelproduktion noch nicht so groß war, man andererseits aber auch die Werkstätten nicht vergrößern konnte, da kein Geld vorhanden war und der Absatzmarkt noch nicht so gut erschlossen werden war.
In etwa zehn Schmieden mit je zwei Feuerungen begannen jeweils im Herbst die schwierigen Arbeiten des "Herausschlagens" der Sicheln aus dem Eisenstab. Dieses Herausschlagen und besonders das Härten der Sicheln war eine Kunst, deren Geheimnis kein Schmied preis gab. Zur Endfertigung der Zahnsicheln befanden sich mehrere Schleifmühlen im Tal der Kleinen Kyll (in Richtung Schutz), die mit Wasserkraft betrieben wurden. In der Saison, also im Winterhalbjahr, liefen diese Schleifmühlen vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein. Auch die Anfertigung der Stiele und Griffe übernahmen Handwerker aus dem Dorf. Die handwerkliche Betätigung brachte für die Niederstadtfelder Bauern eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit, da sie im Winter ohnehin keine Arbeit hatten.
Der Vertrieb der Sicheln geschah durch Hausierer, die den Vorsommer hindurch die Dörfer in der näheren und weiteren Umgebung und die Jahrmärkte in Prüm, St. Vith und Malmedy besuchten. Dadurch war der Absatz der Zahnsicheln und damit auch die Produktion auf wenige Exemplare begrenzt.
Bedingt durch die Einwirkungen des ersten Weltkrieges verschwand diese "blühende" Industrie wieder aus Niederstadtfeld.

Um die Jahre 1840 bis 1850 gab es in Niederstadtfeld einen anerkannten Familienbetrieb, der Hüte aller Art anfertigte. Er hatte ein Absatzgebiet, das bis nach Paris reichte. Er brachte der Familie viel Geld und hohes Ansehen. Der Häusername "Hetmaich" (übersetzt: Hutmacher) besteht heute noch im Ort. Ein Zeuge der ehemaligen Hutmacherei ist ein eingemeißelter Hut in dem noch vorhandenen Haus.

Nicht unerwähnt soll das im vorigen Jahrhundert betriebene Bergwerk bleiben. Die Flurnamen "Am Bleiofen" und "An der Bleiwäsche" erinnern noch heute an dieses ehemalige Bergwerk. Es beschäftigte 1858 immerhin 12 bis 15 Knappen, die aus Niederstadtfeld und Üdersdorf kamen. Das Bergwerk, das sich auf einem Berg östlich des Tales der Kleinen Kyll in Richtung Schutz befand, war wahrscheinlich römischen Ursprungs, denn es gab schon einen Stollen, als die Arbeiten im Bergwerk aufgenommen wurden. Ein Stollen besteht auch heute noch, aber die drei Schächte auf der Kuppe des Bleibergs wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus Sicherheitsgründen zugeschüttet.
In dem Bergwerk, das den Namen "Goldglück" trug, wurden Silber, Blei und Kupfer gewonnen. Das in Blöcke geschmolzene Erz wurde damals mit Hilfe von Ochsenkarren an die großen Werke nach Mechernich und Bleialf transportiert. Es besteht auch heute noch ein eingetragenes Wasserrecht zur Ableitung der Abwässer des Bergwerks in den "Kerlsbach", der in die Kleine Kyll mündet.
Die Arbeiten im Bergwerk wurden zeitweise, so z. B. in den Jahren 1858 bis 1907, aus nicht bekannten Gründen eingestellt. Nach einer längeren Unterbrechung wurde im Jahre 1907 die Förderung im Bergwerk wieder aufgenommen und erneut waren es Niederstadtfelder und Üdersdorfer, die dort Arbeit fanden.
Um aber an das Erz in den tieferen Regionen heranzukommen, musste man einen Querschacht vom tiefen "Kerl" aus anlegen. 1915 wurden die Arbeiten im Bergwerk "Goldglück", bedingt durch die starken Kriegseinwirkungen, endgültig eingestellt. Im Krieg dienten diese Stollen einigen Familien aus Niederstadtfeld noch als Bunker.
(siehe auch Karte und Fotos in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier)

Neben diesen Industriezweigen gab es in Niederstadtfeld die Pottaschesiederei. Um die Jahre 1860 bestanden noch sieben Siedereien in Niederstadtfeld, die aber durch den Fortschritt der Industrie zum Erliegen kamen. Die Pottasche wurde bei der Glasherstellung sowie bei der Eisen- und Stahlherstellung verwendet, wobei die entstandene Asche beim Verbrennen dem Glas bzw. dem Eisen oder Stahl die Schadstoffe entzog und somit dem Material eine verbesserte Haltbarkeit gab. Der Eifeler Stahl war bis zur Solinger Zeit der beste weit und breit.
Das Schmelzen von Erz, die Pottaschesiederei und das Anlegen der Stollen hatten aber auch einige sehr weitreichende nachteilige Folgen für die Eifeler Bevölkerung: Bedingt durch den starken Holzverbrauch gingen die Wälder rapide zurück. Um 1860 gab es bereits beträchtlich weniger Wald in der Eifel als vorher und auch als heute, so dass sehr viele Leute auswandern mussten, denn die Dezimierung der Wälder zog, vor allem für die Landwirtschaft, einige negative Folgen nach sich.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, waren die oben erwähnten Industrien auf Grund der in ganz Deutschland herrschenden schlechten Arbeitsmarktsituation zum Erliegen gekommen. Die jüngere Generation wanderte aus ihrem Heimatdorf aus und suchte woanders Arbeit, die sie hautsächlich im Kölner Raum fand. Hier im Ort blieb als Arbeitsmöglichkeit nur noch der Wald: Die Holzfällerei und zwei Sägewerke beschäftigten nur wenige Arbeiter. Die übrigen Bewohner unseres Ortes versuchten sich mit ihrem bisschen Landwirtschaft durchzuschlagen.
Nach dem zweiten Weltkrieg kam es auch für die Niederstadtfelder zum sogenannten Wirtschaftswunder: Nachdem das eine Sägewerk, das vor dem Krieg fünf Männer beschäftigt hatte, 1943 zerstört worden war und danach nach Darscheid übersiedelte und das zweite um 1955 Bankrott gemacht hatte, siedelte sich zunächst eine Ballfabrik in den Gebäuden des ehemaligen Sägewerkes an. Diese Fabrik war bereits in der Lage, 30 bis 40 Mann zu beschäftigen. Sie hielt sich aber nur bis 1959. Danach siedelte sich die heute noch größte Fabrik und der gleichzeitig größte Arbeitgeber in Niederstadtfeld an: das Warmpresswerk.

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