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Landwirtschaft

Da in Niederstadtfeld, wie auch in der übrigen Eifel, der größte Teil der zur Verfügung stehenden Fläche von Wald bedeckt war, war die Waldbauernwirtschaft weitverbreitet. Die Grundlage der Landwirtschaft war der Hochwald. Vom Frühjahr bis zum Herbst waren die Rinder und Schafe in der Waldweide. Die Schweine wurden im Wald oder zu Hause mit Bucheckern und Eicheln gemästet. Die Waldweide war manchmal sogar mit Hecken oder Holzbarrikaden eingezäunt, so dass meistens nur ein Mann auf das Vieh des ganzen Dorfes aufpassen musste.

Später, als das Handwerk aufkam (um 1550) und sich einige Handwerker, hauptsächlich Schmiede und Maurer, in Niederstadtfeld niederließen, verlor die Landwirtschaft zum ersten Mal ein wenig an Bedeutung, zumindest für die Handwerker, die aber nebenbei immer noch etwas Landwirtschaft betrieben. Die Landwirtschaft war aber nebenbei immer noch die Haupteinnahmequelle und damit auch die Grundlage jeder Verdienstmöglichkeit in Niederstadtfeld.

Um 1860 löste die Dezimierung des Hochwaldes, bedingt durch den starken Holzverbrauch für die Industrie, eine starke Auswanderungswelle in der gesamten Eifel aus, und man war, durch den rapiden Rückgang des Hochwaldes, gezwungen, sich auf eine andere Art der Viehhaltung umzustellen. Doch die Not der Bauern und damit die Not aller Leute aus der Eifel wuchs immer mehr. Im Jahre 1860 war im Kreis Daun jeder Bürger wegen Wald- und Feldfrevel durchschnittlich 2,8 mal bestraft. Die Rinder-, Schweine-, Schaf- und Ziegenhaltung wurde begrenzt.
Außerdem wurde der Anbau von Nadelhölzern und Kartoffeln im Kreis Daun mit Einsatz von Soldaten gewaltsam auf Befehl des Königs der Rheinprovinz eingeführt. (Nadelbäume wachsen schneller und bringen deshalb mehr Ertrag, aber auf diesen Flächen war keine Waldweidewirtschaft mehr möglich.)
Die Umstellung fiel den Bauern sehr schwer und es herrschte bald große Not. Trotz der immer kleiner werdenden Erträge aus der Landwirtschaft mussten die Bauern ihrem Lehnsherrn ihre Abgaben, ein Teil der Ernte, abliefern, so dass am Ende kaum mehr genug für sie selbst übrig blieb.

Jetzt wurde verstärkt die Dreifelderwirtschaft (oder auch Schiffelwirtschaft) betrieben. Schiffelwirtschaft war eine vor gut hundert Jahren üblich Fruchtwechselform: Man ließ das Land, nachdem man es das erste Jahr mit Hackfrüchten bepflanzt hatte, für ein oder mehrere Jahre brach liegen. Die Reihenfolge der Anbaufrüchte innerhalb der drei Jahre wechselte ständig. Auf dem Brachland wuchsen in der Zeit, in der nichts angebaut wurde (i. d. R. zwei bis drei Jahre) Gras und Unkraut. Nach dieser Zeit des Brachliegens wurde das Gras weggeschiffelt, daher auch der Name "Schiffelland". Die reicheren Bauern nutzten das Gras und Unkraut als Dünger, die Ärmeren verfütterten es an ihr Vieh. Um 1905 besaß die Gemeinde 482 Morgen Schiffelland und nur zehn Morgen Wiesen, aber 1469 Morgen Holzungen (vier Morgen = ein Hektar).

Die Not der Bauern wurde dadurch etwas gelindert, dass ihnen die Möglichkeit gegeben war, in den neu entstehenden "Industriezweigen" Arbeit zu finden und Geld zu verdienen, denn ab dem 18. und 19. Jahrhundert spielte das Geld eine immer größere Rolle. Während man vorher noch mit Naturalien bezahlt hatte. Das Geld konnte zwar den Tauschhandel innerhalb des Dorfes noch nicht ganz verdrängen, doch es gewann überörtlich immer mehr an Bedeutung. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen waren fast alle Leute gezwungen, sich wieder mehr der Landwirtschaft zu widmen, denn die Industrie kam in dieser Zeit fast völlig zum Erliegen. Erst nach der Währungsreform nach dem zweiten Weltkrieg verdrängte das Geld endgültig den Tauschhandel.

Durch das Realerbrecht, das hier in der Eifel herrschte, wurden die Felder und die Betriebe immer kleiner. Sie hatten damals durchschnittlich 10 bis 14 Morgen (ca. drei ha) Land und ein bis drei Kühe, die aber meist den ganzen Tag arbeiten mussten, weil dem Bauer noch keine Maschinen zur Verfügung standen.

Nach einem schweren Arbeitstag waren die Kühe abends nicht mehr in der Lage, genügend Milch für den täglichen Bedarf zu liefern. Geld oder andere Mittel, um sich eventuell zu vergrößern, gab es auch nicht. Die Menschen lebten hier während dieser Zeit sozusagen "von der Hand in den Mund".

Nach dem zweiten Weltkrieg kam allmählich der Aufschwung. Viele Bauern unterhielten ihre Landwirtschaft nur noch nebenbei, ähnlich wie im 17. und 18. Jahrhundert, nur mit dem Unterschied, dass jetzt der Schwerpunkt auf der Industrie lag, denn hier konnten sie mehr verdienen, wovon im Endeffekt auch die Landwirtschaft profitierte. Jetzt war jedem die Möglichkeit gegeben, seinen Betrieb zu vergrößern und sich Maschinen anzuschaffen, weil ihm die entsprechenden Geldmittel zur Verfügung standen.

Ein großer Fortschritt für die Landwirtschaft in Niederstadtfeld war die Flurbereinigung in den Jahren 1957 bis 1960. Vorher betrug die durchschnittliche Größe der Felder nur noch 23,6 ar. Um eine einigermaßen rentable und rationelle Arbeit auf den Feldern zu gewährleisten, vergrößerte man die Felder auf eine durchschnittliche Größe von 52,6 ar.

Dies war auch die Zeit, in der die ersten Maschinen in Niederstadtfeld aufkamen und den Bauern die Arbeit erleichterten. Vor allem wurde den Kühen die Arbeit abgenommen, wodurch eine Steigerung der Milchproduktion erreicht wurde. Da die Betriebe jetzt durchschnittlich vier bis sechs Kühe hielten, konnten sie zum ersten Mal regelmäßig Milch für Geld verkaufen. Hauptsächlich durch den Einsatz der Maschinen wurde die Landwirtschaft in den 60er und 70er Jahren als Nebenerwerbsbetrieb immer lukrativer.

Es bildeten sich aber auch vier Vollerwerbsbetriebe heraus. Anfang der 60er Jahre wurden "auf Lauzert" drei Siedlungen gebaut, die nur auf Grund der Flurbereinigung entstehen konnten.
Das Warmpresswerk baute eine große Bullenzucht auf. Es pachtete sehr viel Land, was den Pachtpreis in die Höhe trieb, hatte aber den Vorteil, dass es kein Brachland mehr gab.

Ende der 70er Jahre kam der große Rückschlag für die Landwirte, vor allem für die "Feierabend-Bauern". Es wurde alles teurer, von den Maschinen bis hin zum Kunstdünger. Die Schlagwörter hießen Rationalisierung und Spezialisierung. Es wurde in unserer engeren Heimat wie im gesamten EG-Raum mehr Milch produziert als verbraucht werden konnte. So entstanden Berge überschüssiger Butter und unverkäuflichen Milchpulvers. Dagegen musste etwas unternommen werden. Es wurde beschlossen, Abschlachtprämien für jede Kuh zu zahlen. Das war ein großer Anreiz für die kleinen Landwirte. Damit verschwanden die meisten Feierabendbetriebe aus Niederstadtfeld.

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